21.04.2009 - Fundraising-Journal: Blog zu Fundraising-Themen
05 January
2006

Spendenkurzschluss beim Beobachter

Erlebnisbericht einer spendenden Journalistin

Unter dem Titel "Geben ist mühseliger als nehmen" berichtet Edith Lier in der Beobachterausgabe 1/06 über die 135 Bettelbriefe samt Beilagen mit einem Gesamtgewicht von 4.6 Kilo, die sie letztes Jahr erhalten und zwecks fairer Projektauswahl bis Ende Jahr gesammelt hat. Leider fällt sie dann beim Stichentscheid in die Administrationskostenfalle:

"Warum eigentlich berücksichtige ich nicht jene Hilfswerke, die mein Scherflein vollumfänglich den Projekten und Betroffenen zukommen lassen? Ausser SOS Beobachter kenne ich keine Stiftung, die diese Voraussetzung erfüllt." Jetzt einmal abgesehen von der Eigenwerbung frage ich mich, warum es so schwierig ist, zu verstehen, dass hier ein Kurzschluss der übelsten Sorte vorliegt. Wenn ich ehrenamtlich herumrenne, gratis Projekte evaluiere, ohne Honorar die Abwicklung organisiere und unentgeltlich für die Mittelbeschaffung sorge, damit "100% der Spenden dem Projekt zugute kommen", dann bedeutet das doch nichts anderes, als dass 100% meiner persönlichen Spende in die Administration und ins Fundraising fliessen, um den Eindruck zu erwecken, 100% aller anderen Spenden flössen ins Projekt ...

Wenn der Beobachter beispielsweise den Internetauftritt der Stiftung SOS-Beobachter finanziert, dann wird diese "Spende" allenfalls in der Buchhaltung der Stiftung nicht als Spende ausgewiesen. Trotzdem fallen die Kosten an. Wenn dort steht "Die Fälle, in denen die Stiftung SOS Beobachter Hilfe leistet, werden sehr sorgfältig ausgewählt und abklärt", dann wird wohl jemand sehr sorgfältig arbeiten. Auch wenn die Stiftung dafür nichts bezahlt, erfolgt doch eine Spende. Die Behauptung "Der Einsatz der Spendengelder erfolgt ohne jeglichen Abzug von Verwaltungskosten"  ist demnach - ? - ein Kurzschluss. Sowas regt mich auf!


Posted by grosjean at 12:13 | Comments (3) | Trackbacks (0)
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Comments
Re: Spendenkurzschluss beim Beobachter

Das ist so nicht richtig! Die Beiträge des Beobachters decken direkt die anfallenden administrativen Kosten. Das Personal des SOS Beobachters ist direkt bei der Jean Frey AG unter Vertrag und hat Lohnmässig keine Verbindung zum SOS Beobachter. Somit liegt keine Spende vor, sondern nur ein Arbeitsverhältnis zwischen den Mitarbeitern und dem Arbeitgeber das sich auf die Arbeit beim Hilfswerk bezieht. Ich verstehe ihren Komentar nicht.

Posted by: Silvan at November 21,2006 20:59
Re: Spendenkurzschluss beim Beobachter

hm ... jetzt bin ich auch verwirrt: Sie schreiben, dass der Beobachter die direkt anfallenden administrativen Kosten deckt und das Personal bezahlt. Dann "spendet" der Beobachter doch die gesamt Administration?

Posted by: Sibylle Grosjean at January 21,2007 12:59
Re: Spendenkurzschluss beim Beobachter

Nein, der Beobachter ermöglicht dem SOS Beobachter ein Arbeitsumfeld, welches erlaubt alle Spenden zu 100% umzusetzen. Er stellt also ein Umfeld zur Verfügung und tätigt keine direkte Spende.

Dies lässt sich am besten am Wert der Leistungen erkennen. Der Beobachter stellt dem SOS Beobachter keine fixen Beiträge zur Verfügung, wie es bei einer Spende der Fall wäre, sondern passt seine Leistungen dem Aufwand an, sodass die Beiden deckungsgleich sind. Deshalb lässt sich in diesem Fall nicht von einer Spende reden. Die Aussage von Edith Lier ist also belegbar korrekt

Freundliche Grüsse

Posted by: Silvan at January 26,2007 15:05
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